Haus Mödrath

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  • Museum bietet: Parkplatz vorhanden
  • Museum bietet: Regelmäßige Führungen
  • Museum bietet: Nicht Rollstuhlzugänglich
  • Museum bietet: Busparkplatz vorhanden

AFTERMIETER
23.04.2017 - 15.11.2018

Ausstellung

Beschreibung

Im Zentrum steht das Haus selbst: Zivilisation und domestizierte Natur. Eine Transformation auf vielen Ebenen: von der Gesellschaft zum Individuum, vom Bewohner zum Artefakt, vom Animalismus zum Altruismus, von der künstlerischen Strategie zur Epiphanie. Bezüge spiritueller, ja spiritistischer Natur, werden schon im Außenbereich hergestellt zwischen Ajay Kurians Pavillon mit God‘s Wisdom im Paradebett, Thomas Zipps Evolutions-Zentrale im Zelt und Kai Althoffs leuchtender Engel-Skulptur in einem Fenster des Haupthauses.

Im Inneren tritt man mit Möbeln und Videoinstallationen in die Zivilisation ein, die doppelbödig Anheimelndes mit Abgründigem verbindet. Und das schon im Entrée, wo Andreas Slominski Hellerau-Möbel mit dem Charme der Fünfziger-Jahre zu einem ungewohnten Duett auffordert. Während Ed Atkins seinen Hisser als digitalen doppelten Avatar per Video in unsere Welt einführt und Katja Novitskova die Tierwelt anthropomorphisiert, lässt Neïl Beloufa im ehemaligen Swimmingpool Menschen nur audiomorph als Kommentatoren in einer glitzernden Architekturkulisse auftreten, die von fahrenden Autos virtuell animiert wird. Von hier gelangt man ins Souterrain über Davide Stucchis ‚décoration noir‘ zu James Richards Radio at Night mit alptraumhaften Sequenzen bedrohter Natur und gesellschaftlicher Dysfunktionalität. Eine leidende ‚Tierheit‘ (Mary Audrey-Ramirez) begleitet die Wendeltreppe hinauf in das 1. OG. Das gesellschaftliche Geflecht von unten transformiert sich im früheren Piano Nobile des Herrenhauses, in einem Akt der Individuation zu Künstlerräumen, die als Hommage an deren Autoren gedacht sind. Bilder und Skulpturen von Eric Bainbridge, André Butzer, Günther Förg, Georg Herold und Franz West treten – auch im wörtlichen Sinne – zum Schwanengesang des White Cube an, während Björn Braun und Stefano Cagol ihn bereits verabschiedet haben. Im sogenannten Kniegeschoss darüber, der späteren niedrigen Überhöhung der Villa mit Walmdach, kommt diese Welt der Kunst ins Wanken. Die ausgestellten Werke nähern sich trügerischen Halluzinationen. Dunkle Märchen und beunruhigende Mythen durchsetzen die Realität (Michaela Eichwald, Ali Altin, Jochen Lempert) oder steuern einen Gegenkurs voller Phantasmen (Dirk Bell, Michael E. Smith, Kris Lemsalu). Outsider öffnen archaische Fenster mit dunkler Energie (Adolf Beutler, Giorgio Dorigo). Doch noch weiter oben wird es wieder lichter. Unter dem taghellen Glasdach erscheint die Doppelstruktur von Ratio und Paranoia. Alicja Kwade macht in einem frühen Video den Lampen ihrer Wohnung nicht nur das Licht an, sondern erweckt sie zum Leben. Es ist der Introitus zu Eva Kot‘átkovás riesigem ‚Cage‘, in dem Möbel und Geräte auf umherirrende Kinder warten, um ihnen ihre mechanische Struktur aufzuzwingen. Eine unheimliche Begegnung von Drip-Art, Ratio und Wahn.

„Aftermieter“ ist keine Gruppenausstellung, sondern ein Prozess: die Begehung eines Hauses. Anstelle von Zimmern mit Mobiliar haben sich künstlerische Bilder und Objekte breitgemacht, welche Ausschnitte der heutigen Kunstszene in einem veränderten Licht aufscheinen lassen.

KURATOR: VEIT LOERS

Link zur Ausstellung:

www.haus-moedrath.de
Öffnungszeiten: Samstag und Sonntag sowie an ausgewählten Feiertagen.

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